Sie haben sich auf die Erstellung zementärer Oberflächen spe- zialisiert. Worin genau liegt die Herausforderung in diesem Gebiet?
Von der Beratung bis zur Ausführung. Die erste Herausforderung ist den
Kunden zu erkennen und einzuordnen, damit wir ihm die optimale Bera-
tung bieten können. Nachdem wir das schon 15 Jahre machen, haben wir
gemerkt, dass sich das Clienté stark verändert hat. Die meisten Zement-
kunden wissen was sie wollen. Seit einigen Jahren kommen verstärkt
Kunden hinzu, die den Zementboden vermutlich in einer Architekturzeit-
schrift gesehen haben. Sie wollen den Boden haben, weil es gerade im
Trend ist. Im Grunde wollen sie die Ästhetik, die mechanische Perfektion und die absolute Gleich-
mäßigkeit in Struktur und Farbe als Zementboden. Man muss den Kunden aber explizit darauf
hinweisen, dass eben genau die handwerkliche Verarbeitung und die daraus resultierenden gerin-
gen Abweichungen den Charme dieser Zementoberflächen ausmacht. Im Zweifelsfall sollte man
den ein oder anderen Kunden nicht bedienen. Ein Zementboden ist keine Feinsteinzeugfliese und
auch kein Granit.
Im nächsten Schritt machen wir dem Kunden dann Muster. Hierzu ist es wichtig genau herauszu-
finden, was der Kunde will. Dabei kommt es auf den Oberflächencharakter und auf den Farbton
des Bodens an. Am besten zeigt man dem Kunden auch größere Referenzflächen. Es geht darum
Missverständnisse zu vermeiden. Dies klingt zwar plakativ, ist aber sehr zentral.
Somit kommen wir zur Technik. Diese beginnt schon bei der Grundriss- und Untergrundbewertung.
Hier wird zunächst entschieden, welche Art von Estrich verwendet wird. Bei einem Neubau hat
man die Möglichkeit über die Wahl des richtigen Estrichs Dehnfugen zu reduzieren. Die Bauherren
wollen möglichst wenige Dehnfugen, obwohl diese an manchen Stellen unentbehrlich sind, um
Risse im Estrich zu vermeiden. Eine realistische Bewertung von Dehnfugen ist also das A und O-
Der denkbar schlechteste Untergrund ist für uns der Gußasphalt, hierbei führen starke Längenver-
änderungen zwangsweise zu Rissen.
Im nächsten Schritt wird der Estrich angeschliffen, die Randfugen werden auf eine Breite von 5
mm vorbereitet und anschließend grundiert. Danach erfolgt dann der Bodeneinbau in einer Stärke
von 5 mm. Der Boden wird mit Spezialrührgeräten gemischt und hat dann eine sahnige Konsis-
tenz. Das Einbauen geht relativ schnell. Nach einem Trocknungstag wird der Boden poliert und
anschließend imprägniert.
Erfolgsgarant sind also ein guter Rohstoff und eine gute Verarbeitung. Wichtig ist, dass man sich
auf Zementböden spezialisiert. Man braucht die wirtschaftliche Abhängigkeit von dem Produkt um
den Mitbewerbern mehrere Schritte voraus zu sein.
Worum handelt es sich bei der Matrix-Floor?
Um dies zu erklären, machen wir einen kurzen Ausflug in die Vergangenheit. Die Zementwerkstatt macht seit 15 Jahren Zementoberflächen. Dies begann mit dem Boden. Damals gab es nur einen Hersteller. Die Firma ARDEX mit dem Produkt CREATIVE FLOOR SYSTEM. Später hieß das Produkt dann PANDOMO. Da ich gelernter Fliesenlegermeister bin, bot ich anfangs Fliesen und Zementbeläge an. Ich habe jedoch schnell gemerkt, dass dies so nicht geht. Man muss sich für eine Sache entscheiden, um Expertise zu garantieren. Also haben wir uns nach einem Jahr auf Zementoberflächen spezialisiert. Wir haben aber dann relativ früh erkannt, dass die Festigkeit und die Kratzbeständigkeit des Produktes nicht ausreichend war. Wir haben jetzt mit Matrix-Floor eine Druckfestigkeit von 50N und sind somit 70% härter als zuvor.
2009 haben wir dann umfangreiche Tests gemacht, Ziel war damals einen Rohstoff zu finden, welcher den gewünschten Festigkeiten entspricht.
Auch Produkte die gescheitert waren wurden von uns geprüft. Wir haben uns auch gefragt, warum diese gescheitert sind. Oft kann das nur an fehlender Schulung und falscher Verarbeitung liegen.
Wir haben dann 8 Rohstoffe hinsichtlich verschiedenster Faktoren getestet. Und haben uns für einen Zementrohstoff entschieden, den es nicht mehr auf dem Markt gab. Es bot aber die optimalen
Voraussetzungen hinsichtlich Stabilität, Verarbeitungseigenschaften, Verlaufseigenschaften, Schwundneigung, Härte, Verarbeitungsdauer usw. Das Produkt wurde von uns entscheidend optimiert. Und dann war Matrix-Floor entstanden. Sie ist also unsere eigene Marke.
Dieser Rohstoff wird nun exklusiv für uns produziert, so haben wir es 2014 geschafft mehr als 100t zu verarbeiten. Dies entspricht einer Fläche von ca. 12.000 qm/Jahr
Warum sollten Architekten gerade mit Ihnen zusammenarbeiten? Wie unterschieden Sie sich von Ihren Mitbewerbern?
Ich glaube das Wichtigste sind Leidenschaft, Freude an den verschiedenen Zementoberflächen, Ehrgeiz und technischer Vorsprung. Ich denke Architekten arbeiten gerne mit uns zusammen, weil sie das Gefühl haben, dass wir unsere Aufgabe mit Präzision und Aufmerksamkeit erfüllen.
Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders viel Stolz bereitet?
Das ist schwierig zu beantworten. Eigentlich sind wir immer dann stolz, wenn der Kunde zufrieden ist. Das Schönste ist, wenn der Kunde mit leuchtenden Augen vor uns steht und zufrieden ist. Und
dann ist es irrelevant, ob wir einen Museumsboden oder eine kleine Küche für einen Privatkunden gemacht haben.
Und dann ist da natürlich noch unser Möbelzement. Das ist einfach ein Produkt, dass uns besonders viel Stolz bereitet. Diesen Möbelzement haben wir auch bei unserer Produktrecherche vor ein paar Jahren entdeckt. Damals ist das Produkt durchgefallen, da es zu weich war und sehr lange zum Trocknen gebraucht hat. Ein paar Jahre später habe ich es mir nochmal angeschaut und bin auf die Idee gekommen, dass man aus diesem Pulver einen Anstrich entwickeln kann, da es angerührt sehr flüssig ist. Wir haben das also probiert, und da hatten wir plötzlich eine Wandfarbe aus Zement. Die gibt es so nicht zu kaufen. Wir haben also weiter überlegt. Wenn man diese Far-
be ein wenig dicker machen würde, dann könnte man damit spachteln. Nach ein paar Wochen Entwicklung war dann die Möbeloberfläche geboren. Wir nennen es Matrix-Möbel. Das ist ein Zementoberfläche in einer Schichtstärke von 1 mm und trotzdem hochbelastbar! Wir brauchen hier keinen Kantenschutz. Das wird sehr gerne für Küchenfronten und Küchenarbeitsplatten eingesetzt.
Darüber hinaus überziehen wir Möbel für den Ladenbau ebenso wie Badezimmermöbel.